05.09.2025


Essen, 5. September 2025: Ein 17-Jähriger auf der Suche nach jüdischen Opfern
Am frühen Morgen des 5. September 2025 zog ein damals 17-jähriger Schüler mit einem langen Messer bewaffnet durch Essen, um nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft einen islamistisch motivierten Amoklauf zu verüben. Er griff nacheinander einen ihm bekannten Hausmeister, seine eigene Lehrerin und einen zufällig ausgewählten Mann auf offener Straße an – auf der Suche nach weiteren, gezielt jüdischen Opfern.
Der Tathergang
Zunächst begab sich der Jugendliche zu einer Grundschule in Essen und schlug dort mit der Faust auf einen ihm persönlich bekannten Hausmeister ein, den er zusätzlich mit Pfefferspray besprühte. Weil sich der Mann zur Wehr setzte, kam das mitgeführte Messer nicht zum Einsatz. Kurze Zeit später griff der Jugendliche in seinem eigenen Berufskolleg seine 45-jährige Lehrerin an und stach ihr mehrfach gezielt in den Oberkörper, wodurch sie schwer verletzt wurde. Anschließend suchte er zweimal die Alte Synagoge in Essen auf, um dort nach eigenem Vorhaben möglichst viele Menschen jüdischen Glaubens zu töten – traf dort jedoch niemanden an, den er als geeignetes Opfer ansah. Stattdessen stach er einem ihm fremden Mann auf offener Straße in den Rücken. Alle drei Geschädigten überlebten die Angriffe, trugen jedoch teils schwere Verletzungen davon.
Motiv und Festnahme
Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft folgte der Jugendliche einer islamistisch-dschihadistischen Ideologie und hatte Anfang September 2025 den Entschluss gefasst, selbst in den Dschihad gegen vermeintlich "Ungläubige" zu ziehen. Um einer Festnahme zu entgehen und seinen eigenen "Märtyrertod" zu provozieren, soll er sich bei seiner Festnahme Polizeibeamten gegenüber gewaltsam widersetzt haben. Bislang ungeklärt blieb zu Prozessbeginn, wie und durch wen genau sich der Jugendliche radikalisiert hatte.
Der Prozess
Die Bundesanwaltschaft, in deren Zuständigkeit derartige Staatsschutzverfahren fallen, erhob rund sieben Monate nach der Tat Anklage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Dem inzwischen 18-jährigen kosovarischen Staatsangehörigen Erjon S. wird versuchter Mord in drei Fällen sowie Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung vorgeworfen. Der Prozess begann am 15. Juni 2026 vor dem 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf und war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht abgeschlossen.
