24.07.2016

Ansbach, 24. Juli 2016: Der Selbstmordanschlag beim Weinfest

Nur sechs Tage nach der Axt-Attacke von Würzburg erschütterte ein weiterer islamistisch motivierter Anschlag Bayern: Am letzten Tag des Musikfestivals "Ansbach Open" zündete ein 27-jähriger syrischer Asylbewerber vor einem Weinlokal in der Ansbacher Altstadt eine selbst gebaute Rucksackbombe. 15 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Der Attentäter selbst kam bei der Explosion ums Leben.

Der Tathergang

Der Täter, Mohammed Daleel, versuchte zunächst, mit seinem präparierten Rucksack auf das eigentliche Festivalgelände zu gelangen – die Einlasskontrollen waren jedoch als Reaktion auf den Amoklauf von München wenige Tage zuvor verschärft worden. Ohne gültiges Ticket wurde er am Zugang nahe dem Weinlokal abgewiesen und zündete den Sprengsatz stattdessen dort. Ermittler werteten später einen unverschlüsselten Chatverlauf mit einer Kontaktperson im Nahen Osten aus, in dem Daleel kurz vor der Tat noch berichtete, Sicherheitsleute versperrten ihm den Zugang, und aufgefordert wurde, sich "ein Schlupfloch" zu suchen.

Radikalisierung und Vorgeschichte

Daleel war 2014 aus Aleppo geflohen und lebte seit zwei Jahren in Deutschland. Sein Asylantrag war bereits im Dezember 2014 abgelehnt worden; ihm drohte die Abschiebung nach Bulgarien. Ein Traumatherapeut, der Daleel wegen einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung behandelt hatte, warnte die Behörden nach eigenen Angaben mehr als ein Jahr vor der Tat ausdrücklich davor, dass eine Abschiebung einen "spektakulären" Suizidversuch auslösen könnte – ein Hinweis, der die Tat letztlich nicht verhinderte. Wenige Stunden nach dem Anschlag veröffentlichte eine IS-Medienstelle ein Bekennervideo, in dem Daleel seinen Treueeid auf den damaligen IS-Anführer erneuerte.

Ein Motiv zwischen Terrorismus und Verzweiflung

Ähnlich wie bei anderen Fällen dieser Zeit bleibt bis heute unklar, ob der Sprengsatz vorzeitig zündete oder ob Daleel tatsächlich sterben wollte. Sicherheitskreise gingen von einer länger andauernden IS-Mitgliedschaft aus und vermuteten, Daleel könnte gezielt als Schläfer nach Deutschland entsandt worden sein. Gleichzeitig verweisen Fachleute auf seine dokumentierte schwere Traumatisierung als möglichen zusätzlichen Faktor – ein Fall, der zeigt, dass sich islamistische Radikalisierung und individuelle psychische Krise nicht gegenseitig ausschließen müssen.