31.05.2024

Mannheim, 31. Mai 2024: Der Polizist, der einem Islamkritiker zu Hilfe eilte

Am Vormittag des 31. Mai 2024 griff ein Mann auf dem Mannheimer Marktplatz eine Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) an. Sein eigentliches Ziel war der bekannte Islamkritiker Michael Stürzenberger. Als der 29-jährige Polizeibeamte Rouven Laur dem Angegriffenen zu Hilfe eilte, stach der Täter von hinten auf ihn ein. Der Beamte starb zwei Tage später im Krankenhaus. Fünf weitere Menschen wurden verletzt.

Der Tathergang

Der Täter, der damals 25-jährige Afghane Sulaiman Ataee, beobachtete die Kundgebung rund 15 Minuten lang, bevor er gegen 11:34 Uhr ein Jagdmesser zog und gezielt auf Stürzenberger sowie vier weitere BPE-Mitglieder einstach. Zwei couragierten Passanten gelang es zunächst, den Angreifer auf dem Kopfsteinpflaster zu fixieren, sodass Stürzenberger außer Reichweite des Messers kam. Ein hinzukommender dritter, älterer Passant schlug jedoch in der unübersichtlichen Situation versehentlich auf einen der beiden Fixierenden ein, wodurch der Täter sich wieder befreien konnte. Als der Polizist Rouven Laur eingriff, stach Ataee ihm von hinten in den Nacken. Ein weiterer Polizeibeamter schoss den Angreifer daraufhin nieder.

Geständnis und Motiv

Ataee gestand die Tat vor Gericht detailliert. Er habe zunächst gezielt Stürzenberger angegriffen, dann weitere BPE-Mitglieder verletzt. Als er den Polizisten hinter sich bemerkte, habe er gedacht: "Heute muss jemand sterben", und zweimal zugestochen. Nach Feststellung des Gerichts hatte er sich seit 2021 zunehmend mit den Lehren des "Islamischen Staates" beschäftigt und sich über Telegram mit einem radikalislamischen Prediger über die Tötung von "Ungläubigen" ausgetauscht.

Das Urteil

Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte Ataee im September 2025 wegen Mordes sowie versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in vier Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung zu lebenslanger Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Der vorsitzende Richter Herbert Anderer würdigte den getöteten Polizisten mit den Worten, er habe für den Rechtsstaat gestanden und sei für den Rechtsstaat gestorben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; dem Angeklagten steht die Revision offen.

Die politischen Folgen

Der Anschlag ereignete sich nur wenige Tage vor der Europawahl 2024 und löste eine intensive bundespolitische Debatte über den Umgang mit islamistischen Gefährdern sowie über Abschiebungen von Schwerstkriminellen nach Afghanistan aus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser kündigte im Anschluss verschärfte gesetzliche Einschränkungen für das Führen von Messern im öffentlichen Raum an.