Französisches Roulette erobert New York

Michael Schönherr

8/19/2026

New York und Roulette – diese Verbindung klang lange eher ungewöhnlich.

Während Las Vegas, Atlantic City oder Monte Carlo seit Jahrzehnten fest mit klassischen Casinotischen verbunden werden, war New York City trotz seiner Größe kein typischer Ort für ein vollwertiges Casino mit Roulette, Blackjack, Baccarat und anderen Live-Tischspielen.

Das ändert sich.

Mit dem Ausbau des Resorts World Casino New York City in Queens bekommt die Metropole ein Casino, das sich deutlich stärker am klassischen Las-Vegas-Modell orientiert. Besonders interessant für Roulette-Spieler: Neben zahlreichen anderen Tischspielen soll dort ausdrücklich auch französisches Roulette mit Single-Zero-Kesseln angeboten werden.

Damit hält ausgerechnet in den USA eine Roulettevariante Einzug, die mathematisch erheblich interessanter sein kann als das dort traditionell verbreitete amerikanische Roulette.

New York bekommt ein Casino mit klassischen Tischspielen

Das Branchenmagazin Casinos de Latinoamérica widmet dem Ausbau des Resorts World Casino New York City mehrere Seiten.

Dem Bericht zufolge eröffnete das Casino am 28. April einen neuen Bereich mit Live-Tischspielen. Genannt werden mehr als 240 Spieltische, darunter Blackjack, Baccarat, Würfelspiele und Roulette. Gleichzeitig wurde das Angebot an Spielautomaten weiter ausgebaut.

Das ist für New York bemerkenswert.

Das Resorts World in Queens existierte bereits seit 2011, war jedoch vor allem durch elektronische Spiele und Spielautomaten geprägt. Mit den neuen Tischspielen soll aus dem bisherigen Spielbetrieb Schritt für Schritt ein wesentlich umfangreicherer Casinokomplex entstehen.

Das Magazin beschreibt ein ambitioniertes Ausbauprojekt mit Tausenden Spielautomaten, Hunderten Tischspielen, Hotelkapazitäten, Veranstaltungsflächen und weiteren Unterhaltungsangeboten.

Mitten in diesem riesigen Projekt findet sich jedoch ein Detail, das für Roulette-Spieler besonders interessant ist.

Französisches Roulette mitten in Queens

Im Bereich hinter dem sogenannten Bar 360 befindet sich laut Magazin eine eigene Abteilung für französisches Roulette.

Besonders wichtig ist dabei der Hinweis, dass dort eine größere Anzahl von Single-Zero-Roulettekesseln eingesetzt wird.

Das ist keine nebensächliche technische Besonderheit.

Denn die Anzahl der Nullen gehört zu den wichtigsten mathematischen Unterschieden zwischen den verschiedenen Roulettevarianten.

Für amerikanische Spieler ist traditionell vor allem das Double-Zero-Roulette bekannt.

Ein klassischer amerikanischer Kessel besitzt:

1 bis 36 sowie 0 und 00.

Damit gibt es insgesamt 38 Zahlenfelder.

Beim europäischen beziehungsweise französischen Roulette gibt es dagegen nur:

1 bis 36 sowie die einfache 0.

Damit besitzt der Kessel lediglich 37 Zahlenfelder.

Ein kleines zusätzliches Feld verändert die Mathematik des Spiels erheblich.

Warum eine zweite Null so wichtig ist

Nehmen wir die einfachste denkbare Wette:

Ein Spieler setzt auf eine einzelne Zahl.

Beim europäischen Roulette beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit:

1 von 37

also ungefähr:

2,70 Prozent.

Beim amerikanischen Roulette beträgt sie dagegen:

1 von 38

also nur ungefähr:

2,63 Prozent.

Die übliche Auszahlung für eine einzelne Zahl beträgt jedoch in beiden Fällen 35:1.

Genau darin liegt der Unterschied.

Beim europäischen Single-Zero-Roulette ergibt sich dadurch ein mathematischer Hausvorteil von ungefähr:

2,70 Prozent.

Beim amerikanischen Double-Zero-Roulette steigt dieser auf ungefähr:

5,26 Prozent.

Der mathematische Nachteil des Spielers ist beim amerikanischen Roulette damit nahezu doppelt so groß.

Anders formuliert:

Die zusätzliche Doppelnull ist eines der teuersten Felder auf einem Roulettekessel.

Was macht französisches Roulette besonders?

Französisches Roulette ist nicht einfach nur eine andere Gestaltung des Tisches.

Historisch gehört es zu den klassischen europäischen Rouletteformen.

Gespielt wird mit nur einer Zero.

Außerdem unterscheidet sich häufig die französische Bezeichnung der Einsätze.

So heißen beispielsweise:

  • Rot und Schwarz: Rouge / Noir

  • Gerade und Ungerade: Pair / Impair

  • Niedrige und hohe Zahlen: Manque / Passe

  • Dutzende: Douzaines

  • Kolonnen: Colonnes

Doch der wirklich interessante Unterschied kann in speziellen Regeln liegen.

Beim klassischen französischen Roulette sind insbesondere zwei Regelvarianten bekannt:

La Partage

und

En Prison.

Diese Regeln betreffen die einfachen Chancen.

La Partage – wenn die Zero nur den halben Einsatz kostet

Bei der Regel La Partage bekommt der Spieler bei einer Wette auf eine einfache Chance einen Teil seines Einsatzes zurück, wenn die Kugel auf Zero fällt.

Ein Beispiel:

Ein Spieler setzt 100 Euro auf Rot.

Die Kugel fällt auf 0.

Ohne Sonderregel wären die 100 Euro verloren.

Bei La Partage erhält der Spieler jedoch 50 Euro zurück.

Er verliert also nur die Hälfte seines Einsatzes.

Dadurch sinkt der mathematische Hausvorteil auf diesen Wetten von ungefähr 2,70 Prozent auf:

1,35 Prozent.

Für ein klassisches Casinospiel ist das ein vergleichsweise niedriger Hausvorteil.

En Prison – der Einsatz bleibt „im Gefängnis“

Eine ähnliche Wirkung kann die Regel En Prison haben.

Fällt Zero, wird der Einsatz auf einer einfachen Chance nicht sofort vollständig verloren.

Stattdessen bleibt er für den nächsten Coup liegen – bildlich gesprochen wird er „eingesperrt“.

Je nach Ausgang des folgenden Coups kann der Spieler seinen ursprünglichen Einsatz zurückerhalten.

Auch diese Regel kann den effektiven Hausvorteil bei einfachen Chancen reduzieren.

Allerdings ist ein Punkt wichtig:

Aus dem Bericht über das Resorts World Casino New York City geht nicht hervor, ob dort tatsächlich La Partage oder En Prison angeboten werden.

Das Magazin spricht ausdrücklich von französischem Roulette und Single-Zero-Kesseln, beschreibt die konkreten Sonderregeln jedoch nicht.

Für die mathematische Bewertung des konkreten Spiels müsste deshalb vor Ort geprüft werden, welche Regeln tatsächlich gelten.

Single Zero allein ist bereits ein Vorteil

Auch ohne La Partage oder En Prison bleibt Single-Zero-Roulette für den Spieler mathematisch deutlich günstiger als die amerikanische Variante mit 0 und 00.

Dieser Unterschied wird häufig unterschätzt.

Ein Hausvorteil von 5,26 Prozent klingt zunächst nicht dramatisch viel größer als 2,70 Prozent.

Langfristig ist der Unterschied jedoch erheblich.

Angenommen, ein Spieler bewegt insgesamt 10.000 Euro Einsatzvolumen.

Beim europäischen Roulette beträgt der mathematisch erwartete Verlust bei einem Hausvorteil von 2,70 Prozent:

270 Euro.

Beim amerikanischen Double-Zero-Roulette wären es bei 5,26 Prozent:

526 Euro.

Natürlich sagt der Erwartungswert nicht voraus, was bei einer einzelnen Spielsitzung tatsächlich passiert.

Ein Spieler kann gewinnen.

Er kann verlieren.

Er kann mit großem Gewinn nach Hause gehen oder bereits nach wenigen Coups sein Kapital verlieren.

Doch über sehr viele Spiele hinweg zeigt der Erwartungswert, wie stark die Spielregeln den Spieler mathematisch belasten.

Und genau deshalb ist die Entscheidung zwischen Single Zero und Double Zero keineswegs belanglos.

Aus Sicht des Betreibers ist das attraktiv.

Aus Sicht des Spielers dagegen nicht.

Über Jahrzehnte wurde Double-Zero-Roulette deshalb zum typischen Bild amerikanischer Casinos.

Gerade deshalb ist es interessant, wenn ein großes Casino in New York ausdrücklich einen Bereich mit Single-Zero-Kesseln schafft.

Es zeigt, dass amerikanische Casinobesucher offenbar nicht ausschließlich auf die traditionelle Double-Zero-Variante festgelegt sind.

Warum ist Double Zero in den USA so verbreitet?

Amerikanisches Roulette entwickelte sich historisch anders als die europäischen Varianten.

Das zusätzliche Feld 00 erhöht den Vorteil des Casinos, ohne dass die üblichen Auszahlungen entsprechend verbessert werden.

Ist französisches Roulette automatisch das beste Roulette?

Nicht unbedingt.

Der Name allein reicht nicht.

Spieler sollten immer die tatsächlichen Regeln prüfen.

Entscheidend sind unter anderem:

Wie viele Nullen befinden sich auf dem Kessel?

Welche Auszahlungen gelten?

Gibt es La Partage?

Gibt es En Prison?

Welche Mindesteinsätze gelten?

Welche Einsatzlimits gibt es?

Ein als „French Roulette“ bezeichneter Tisch ist mathematisch nicht automatisch besser als jedes andere Single-Zero-Roulette.

Wenn jedoch tatsächlich Single Zero mit La Partage auf den einfachen Chancen angeboten wird, gehört diese Variante mathematisch zu den günstigsten klassischen Rouletteformen.

Roulette wird in New York Teil eines riesigen Unterhaltungsprojekts

Das Resorts World Casino New York City setzt nicht nur auf Tischspiele.

Der Bericht zeigt ein umfangreiches Unterhaltungskonzept mit unterschiedlichen Themenbereichen, Restaurants, Bars und Veranstaltungsflächen.

Das Casino soll langfristig mehrere Etagen umfassen. Einzelne Bereiche orientieren sich gestalterisch an bekannten Orten New Yorks wie dem Times Square oder dem Central Park.

Damit folgt das Projekt einer Entwicklung, die aus Las Vegas längst bekannt ist:

Das Casino wird nicht mehr als isolierter Spielsaal verstanden.

Es wird Teil eines umfassenden Freizeit- und Unterhaltungskomplexes.

Roulette steht dort neben Gastronomie, Shows, Bars, Hotels und Veranstaltungen.

Der Glücksspielbetrieb ist nur noch ein Bestandteil eines wesentlich größeren Gesamterlebnisses.

Der Roulette-Tisch bleibt trotzdem derselbe mathematische Gegner

So spektakulär die Umgebung auch gestaltet sein mag:

Für den Roulette-Spieler bleibt eine zentrale Wahrheit unverändert.

Der Blick auf den Kessel ist wichtiger als der Blick auf die Architektur.

Entscheidend ist nicht, ob der Tisch in Monte Carlo, Las Vegas, Hamburg oder New York steht.

Entscheidend sind die Regeln.

Ein Single-Zero-Kessel bleibt mathematisch ein Single-Zero-Kessel.

Ein Double-Zero-Kessel bleibt ein Double-Zero-Kessel.

Und eine zusätzliche Null macht aus Sicht des Spielers einen erheblichen Unterschied.

New York könnte amerikanischen Spielern eine Alternative zeigen

Ob sich französisches Roulette in den USA langfristig stärker durchsetzen wird, lässt sich aus dem Magazinbericht nicht ableiten.

Das Angebot in Queens ist dennoch bemerkenswert.

Eine der größten Metropolen der Welt erhält nicht einfach nur neue Roulette-Tische.

Sie erhält ausdrücklich auch einen Bereich mit französischem Single-Zero-Roulette.

Damit treffen zwei Roulettewelten aufeinander:

die amerikanische Tradition des Double Zero und die europäische beziehungsweise französische Tradition des Single Zero.

Für Spieler ist diese Entwicklung erfreulich.

Denn mehr Auswahl bedeutet zumindest die Möglichkeit, sich für die mathematisch günstigere Variante zu entscheiden.

Und vielleicht lernen dadurch auch mehr amerikanische Casinobesucher eine einfache Wahrheit kennen, die für jeden Roulette-Spieler wichtig ist:

Nicht jeder Roulette-Tisch bietet dieselben Chancen.

Eine einzige zusätzliche Null kann den Unterschied machen.

Quelle: Casinos de Latinoamérica, Ausgabe Nr. 106, 2. Quartal 2026. Der Bericht über das Resorts World Casino New York City beschreibt den Ausbau des Casinos in Queens, die Eröffnung von mehr als 240 Live-Spieltischen sowie einen eigenen Bereich für französisches Roulette mit Single-Zero-Kesseln.