Wenn Parteien an der Rechtschreibung scheitern

Die Brandenburger CDU-Fraktion wünschte ihren Followern kürzlich zum Ferienbeginn gute Erholung "für das nächste Schuhljahr" – ein Tippfehler, der prompt für Spott sorgte, zumal der Post ausgerechnet zum Thema Bildungspolitik und besserer Deutschunterricht erschien. Doch die Brandenburger CDU steht mit ihrem Malheur keineswegs allein da. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt: Rechtschreibpannen in der politischen Social-Media-Kommunikation sind ein Dauerbrenner, der praktisch alle Parteien gleichermaßen trifft.

Der Klassiker: "Frohnleichnahm"

Besonders bekannt wurde ein Fall aus Bayern, wo die CSU-Landtagsfraktion zum katholischen Feiertag Fronleichnam gratulierte – und dabei ausgerechnet im Wort selbst gleich zwei Fehler unterliefen: "Frohnleichnahm" statt "Fronleichnam". Pikant wurde die Panne dadurch, dass der Post zusätzlich die sprachgeschichtliche Herkunft des Begriffs erklärte (vom mittelhochdeutschen "vrone licham") und damit besonderen Wert auf Tradition und Korrektheit legte. Für eine Partei, die sich traditionell eng mit bayerischem Brauchtum und katholischer Kultur identifiziert, war der doppelte Fehler ausgerechnet in diesem Wort eine besonders unglückliche Fügung. Vor allem Abgeordnete der AfD griffen den Vorfall damals höhnisch auf.

"BaYern" und der Merkel-Katalog

Auch die einstige Bundeskanzlerin Angela Merkel blieb von solchen Pannen nicht verschont: Bei einer Aktion, die verschiedene für Deutschland typische Begriffe von A bis Z auflisten sollte, geriet ausgerechnet "BaYern" mit einem großgeschriebenen Y ins Netz – ein kleiner, aber medienwirksamer Ausrutscher in einer Kampagne, die eigentlich sprachliche Vielfalt und deutsche Kultur feiern sollte.

Ein Tippfehler auf dem Wahlplakat

Nicht nur Social-Media-Posts, sondern auch gedruckte Wahlwerbung ist vor Fehlern nicht gefeit. Bei einem Wahlplakat der AfD verrutschte in der Parole "Zeit für Deutschland" ausgerechnet der Landesname zu "Zeit für Deutschand" – ein Fehler, der angesichts der gedruckten, physisch verteilten Plakate besonders schwer zurückzunehmen war und in den sozialen Medien entsprechend viel Spott erntete.

Wenn der Fehler nicht in der Rechtschreibung, sondern im Konzept liegt

Nicht jede politische Kommunikationspanne ist ein reiner Tippfehler. Als die CDU 2017 ihren Bundestagswahlkampf-Slogan als Hashtag komprimierte, entstand daraus die kaum aussprechbare Buchstabenfolge "#fedidwgugl" (für "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben") – ein Beispiel dafür, dass auch handwerklich korrekte, aber unglücklich konzipierte Social-Media-Kommunikation für ähnlich viel Spott sorgen kann wie ein klassischer Rechtschreibfehler.

Warum solche Pannen so zuverlässig viral gehen

Ein Muster zieht sich durch praktisch alle diese Fälle: Der Fehler wirkt umso peinlicher, je mehr er im Widerspruch zur eigentlichen Botschaft steht. Die Brandenburger CDU verspricht besseren Deutschunterricht und patzt selbst bei der Rechtschreibung. Die CSU zelebriert bayerische Tradition und verschreibt sich ausgerechnet beim traditionsreichsten Wort des Posts. Genau dieser Kontrast zwischen Anspruch und Ausführung ist es, der solche Pannen zu verlässlichen Social-Media-Ereignissen macht – unabhängig davon, welche Partei betroffen ist.

Eine Randnotiz zur Fairness

Bemerkenswert ist außerdem, wie unterschiedlich mit solchen Fehlern umgegangen wird. Während bei etablierten Parteien ein einzelner Tippfehler meist schnell wieder vergessen ist, weisen Medienbeobachter darauf hin, dass ähnliche Pannen bei anderen Parteien teils gezielt für Spott instrumentalisiert werden, ohne dass daraus zwangsläufig ein inhaltlicher Rückschluss zulässig wäre – ein Tippfehler sagt schließlich wenig über die politische Kompetenz einer Partei aus, sondern meist eher etwas über den Zeitdruck im hektischen Alltag von Social-Media-Teams.